Vom Tuten und Blasen Kapitel 6. Kloschüsselgravur
Herr Koch saß auf einem Stuhl der sich vielmehr nach Sondermüll anfühlte als nach einer tatsächlichen Sitzgelegenheit. Da sitzt man ja noch in den Bussen der örtlichen Verkehrgesellschaft noch bequemer als hier. Wo war eigentlich hier? Polizeipräsidium Staudamm Nord. Das warum konnte sich Detlef selbst beantworten. Weil er zu doof zum flüchten war. Die Räumlichkeiten entsprachen zwar nicht seinem Geschmack aber waren doch um ein vielfaches besser als sie im Fernsehen gezeigt werden. Zwei Männer betraten durch die Tür den Raum, der dickere von beiden setze sich und legre die mitgebrachte Akte auf den Tisch. Wahrscheinlich eben erst angefertigt damit der dicke überhaupt irgendwas in der Hand hatte denn seine Vorname war falsch geschrieben. „Ich werde aber nur mit einem F geschrieben.“ Der Mann schaute irritiert auf die Mappe. „Oh, wie rücksichtslos. Also Herr Detlef Koch. Da sie weder in einer Softwarefirma arbeiten noch Amok gelaufen sind oder gar Kontakte in den Jemen haben, kriegen wir hier die Sache schneller über die Bühne als ich zu Mittag gegessen habe. Sie erzählen uns am besten das wichtigste und wir sagen ihnen ob das wichtig genug.“ Detlef holte Luft. „Also ich fühle mich wirklich schuldig aber ich war damals noch nicht soweit und da hab ich den Apfel unter meiner Schulbank versteckt. Ich glaube da liegt er heut noch.“ Völlig verdattert schauten die zwei ihn an. „Was reden Sie da für ein Schwachsinn. Wir wollen was über die Cannabispflanze wissen!“ Völlig überrascht traf es ihn. „Bei mir zuhause eine Cannabispflanze. Absolut unmöglich!“ Die zwei fühlten sich veralbert. „Verarschen können Sie Dieter Bohlen aber nicht uns. Wir haben in ihrem Schrank eine Cannabispflanze plus Zubehör gefunden.“ Detlef machte ein überlegtes Gesicht. „Deshalb haben die mehrmals in der Woche geklingelt. Die wollten sich gar nicht über die Bibel unterhalten sondern wollten ihre Pflanze wieder haben. Sie müssen wissen ich bin erst vor kurzen eingezogen. Vorher gehörte das Haus einem anderen. Der hat wahrscheinlich die Pflanze dort vergessen.“ Wenn er aus dieser Sache rauskommt hat er sich ein Ehrenpreis fürs Lügen verdient. Nur wusste Herr Koch nicht mit wem er es zu tun hatte. Oberhauptwachtmeister Abel Vönel hatte jahrelang Rauschgifthändlern in Berlin den Arsch versohlt und dabei eine ganze Reihe von Erfolgen erzielt. Abel grinste Detlef ein bisschen an. „Wirklich. Interessanterweise ist unter ihrer Kloschüssel was ganz anderes eingraviert. ICH WAR HIER! DETLEF KOCH 12.05.1992. Möchten sie dazu etwas Sinnvolles sagen?“ Sicherlich gab es noch einiges zu erzählen. Zum Beispiel das er gerne die eine Szene in dem Film Basic Instinct anguckt aber in diesem Fall war der Teich leer gefischt. Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz lautete sein Vergehen, vorerst. Da keine Fluchtgefahr bestand konnte er wieder gehen. Er fühlte sich ziemlich ausgezogen, durch den Fleischwolf gedreht und hungrig. Vor dem Polizeipräsidium verteilte ein Mann Prospekte auf denen zu lesen war „Es gibt ein Leben nach dem Knast“. Detlef ging zu dem Typen. „Du machst das doch nicht freiwillig oder?“ Er wirkte nicht älter als 24. „Was? Bist du zugedröhnt oder haben die dir drin was gegeben. Ich muss das hier machen sonst gehe ich in den Bau. Würd mich ja gern verpissen aber die Fixer haben mir ne Ortungsfessel ans Bein gepimpt. Wenn ich mich nur eine beschissene Minute woanders aufhalte kann ich im Bau für die großen die Seife aufheben.“ Detlef sah nichts Gutes auf sich zu kommen. Was wäre wenn er auch eine Fußfessel aufgebrummt bekommt und beim nahe gelegenen Spielplatz die gebrauchten Kondome aufsammeln müsste. Schlechte Idee.
